Hoch dankt bei Gesprächen in Krisenregion für enorme Leistungen im Gesundheitssektor – Minister: Medizinische Versorgung ist stabil

„Für die Menschen in den Flutgebieten an der Ahr, die so schwer von der Katastrophe getroffen worden sind, ist die medizinische Versorgung sichergestellt und stabil. Was hier in den Tagen nach den verheerenden Wassermassen in einer gemeinsamen Kraftanstrengung erreicht wurde, ist herausragend. Dass nach dem Ausmaß der Naturgewalten, die hier gewirkt haben, keine Versorgung im Normalbetrieb möglich sein kann, steht außer Frage. Aber die grundlegende Versorgung konnte sehr schnell wiederhergestellt werden. Dafür kann man allen Beteiligten, die in Teilen selbst von der Katastrophe betroffen sind, nicht genug danken“, sagte Gesundheitsminister Clemens Hoch bei seinem Besuch in der betroffenen Region. „Gemeinsam arbeiten wir daran, die Gesundheitsleistungen weiter zu stärken – für die Bedürfnisse der Bevölkerung, aber auch mit Blick auf die Lage der in den Gesundheitseinrichtungen Beschäftigten.“

Hoch tauschte sich vor Ort in Bad Neuenahr mit Verantwortlichen und Betroffenen des Gesundheitsamtes, des Krankenhauses Maria Hilf, der Dr. von Ehrenwall‘schen Klinik, der DRK-Fachklinik, der Bereitschaftsdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung und Ärzten vor Ort sowie in Andernach mit den Verantwortlichen der Rhein-Mosel-Fachklinik über die entstandenen Schäden, aber vor allem über die mögliche weitere Unterstützung für die aufgebauten Hilfsnetzwerke und Notorganisation sowie den anstehenden Wiederaufbau und kommende Perspektiven aus.

„Das Gesundheitsministerium steht seit der Flutkatstrophe in enger Abstimmung mit Krankenhäusern, Kassenärztlicher Vereinigung, Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz, Landesapothekerkammer und weiteren Akteuren im Gesundheitswesen. Durch den großen Einsatz aller Institutionen sowie ihrer Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter konnte trotz der enorm schwierigen Situation die gesundheitliche Versorgung auch dort stabilisiert werden, wo Einrichtungen beschädigt oder zerstört wurden“, bilanzierte Hoch die aktuelle Lage. „Die ambulante und stationäre Versorgung ist durch niedergelassene Ärztinnen und Ärzte, die ärztliche Bereitschaftspraxis Bad Neuenahr sowie umliegende Krankenhäuser gewährleistet. Die Arzneimittelversorgung läuft ordnungsgemäß. Und was in dieser Situation besonders wichtig ist: Aktuell sind über die Corona-Pandemie hinaus keine Ausbrüche sonstiger übertragbaren Krankheiten bekannt. Aufgekommene Gerüchte und Befürchtungen haben sich nicht bestätigt.“

Der akute Schutz der Gesundheit sowie der weiter laufende Kampf gegen Corona waren Kernthemen bei Hochs Austausch im Gesundheitsamt des Kreises Ahrweiler mit Dr. Stefan Voss, Leiter des Gesundheitsamtes, und Landrat Dr. Jürgen Pföhler. Aktuell bleibt die Gefahr durch verunreinigtes Wasser und Schlämme ernst zu nehmen. Das Wasser sei vielerorts weiter unbehandelt weder zum Trinken noch zum Reinigen geeignet, auch vor dem Verzehr von Gartengemüse oder ähnlichem, das mit Hochwasser in Kontakt war, wird gewarnt. Bei Aufräumarbeiten wird das Tragen von Handschuhen und Schutzkleidung empfohlen. In den Gemeinschaftsnotunterkünften ist die ärztliche Versorgung gewährleistet, ein Ausbruch von Infektionskrankheiten konnte bisher verhindert werden. „Die Lage ist ernst und anspruchsvoll, dank des enormen Einsatzes aller aber weitestgehend kontrolliert“, sagte Hoch.

Hoch informierte sich vor Ort auch über das Coronaimpf- und Testangebot des Impfbusses, den die Landesregierung in Abstimmung mit dem Landkreis früh auf den Weg gebracht, nachdem das Impfzentrum Ahrweiler aufgrund der Flutschäden geschlossen werden musste. Zusätzlich zum Impfbus reisen mobile Impfteams in die Orte. Bis Ende vergangener Woche konnten allein mit dem Impfbus mehr als 2.000 Impfungen durchgeführt werden. Ein weiterer Impfbus aus Alzey unterstützte am 24. und 25. Juli in Adenau die Impfkampagne und führte rund 290 Impfungen durch. „Die Impfangebote laufen dank des vom Impfzentrum Koblenz betreuten Impfbusses, der mobilen Teams und der niedergelassenen Ärzte verlässlich weiter. Das ist wichtig, denn Corona nimmt auf die Krisensituation keine Rücksicht“, sagte Hoch.

In der Bereitschaftsdienstpraxis der Kassenärztlichen Vereinigung am Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler tauschte sich Minister Hoch unter anderem mit Dr. Peter Heinz, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Vereinigung, sowie dem ärztlichen Leiter Dr. Stephan Heinen und Dr. Michael-Georg Berbig, koordinierender Arzt in der Krisenregion, über den Stand der ambulanten Versorgung der Bevölkerung aus. In einem ersten, raschen Schritt wurde die ärztliche Bereitschaftspraxis auch tagsüber von 10 bis 16 Uhr besetzt. Hier werden auch Rezepte ausgestellt und der Notdienst der örtlichen Apotheken vorgehalten. Die Arzneimittelversorgung funktioniert im Katastrophengebiet grundsätzlich ordnungsgemäß. Zudem können Patientinnen und Patienten am Bahnhof Bad Neuenahr in der mobilen Arztpraxis der Bereitschaftspraxis versorgt werden. Die Kassenärztliche Vereinigung hat darüber hinaus für Patientinnen und Patienten aus den Hochwassergebieten eine Telefonnummer (06131/4899139) geschaltet, die rund um die Uhr erreichbar ist. Außerdem werden Ärztinnen und Ärzte bei der Suche nach neuen oder vorübergehenden Praxisräumen unterstützt.

„Die ambulante Versorgung ist auf beiden Seiten der Ahr gesichert – dazu leisten die Bereitschaftspraxis und ihre mobilen Angebote einen wichtigen Beitrag. Deren über die Maße engagierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sowie der niedergelassenen Ärzteschaft möchte ich für ihren unermüdlichen Einsatz für die betroffene Bevölkerung an dieser Stelle ausdrücklich danken“, sagte Minister Hoch. Er verwies außerdem darauf, dass die Landesregierung für eine erste schnelle und unbürokratische Hilfe ein Sofortprogramm aufgelegt hat, von dem auch Arztpraxen finanzielle Unterstützung erhalten können. Pro Praxis können ohne umfangreiche Prüfung 5000 Euro ausgezahlt werden, wenn Schäden mindestens in dieser Höhe entstanden sind. 

Von der Flutkatstrophe getroffen wurden auch die Krankenhäuser in der Region – darunter auch das Krankenhaus Maria Hilf in Bad Neuenahr-Ahrweiler. Am größten waren und sind die Schäden in der Dr. von Ehrenwall´schen Klinik -  Fachkrankenhaus für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Neurologie - und der DRK-Fachklinik für Kinder- und Jugendpsychiatrie. Über die schrecklichen Ereignisse der Flutnacht, aber auch die Bewältigung der Folgen und die Unterstützung tauschte sich Minister Hoch im Krankenhaus Maria Hilf mit Vertretern der betroffenen Krankenhäuser aus.

Durch schnelle und unbürokratische Hilfe stellen Einrichtungen in der umliegenden Region aktuell die stationäre Versorgung für die Bevölkerung sicher, Patientinnen und Patienten der beschädigten Krankenhäuser im Ahrtal werden dort aufgenommen. Die betroffenen Krankenhäuser sind zudem dabei, auch kurzfristig Versorgungsalternativen zu schaffen, beispielsweise durch das Anmieten von Räumen. Zudem soll im Krankenhaus Maria Hilf diese Woche der stationäre Betrieb in Teilen wiederaufgenommen werden.

Minister Hoch zeigte sich sehr beeindruckt von den schrecklichen Ereignissen der Flutnacht, aber auch von der sehr guten Zusammenarbeit der Kliniken untereinander und dem enormen Engagement der Kräfte vor Ort trotz teilweise großer auch privater Betroffenheit. „Wir wissen, welch dramatischen Szenen sich vor allem in der Dr. von Ehrenwall´schen Klinik und der DRK-Fachklinik in der Flutnacht abgespielt haben. Die Kliniken sind schwer beschädigt und auf absehbare Zeit nicht betriebsbereit, etliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter haben nicht nur ihr Hab und Gut verloren, sondern bangen nun auch um ihren Arbeitsplatz“, sagte Hoch. „Unsere Ziele sind klar: Wir werden die Sicherstellung der stationären Versorgung gerade auch im psychiatrischen Bereich weiterhin mit aller Kraft unterstützen. Wir werden uns dafür einsetzen, dass die Arbeitsplätze im betroffenen Bereich soweit wie möglich in der Region erhalten bleiben, damit die Arbeitskräfte in dieser so schweren Situation eine Perspektive haben. Und wir werden uns auf allen Ebenen dafür engagieren, dass die betroffenen Häuser wirtschaftlich diese besondere Krisensituation überstehen.“

Minister Hoch teilte zudem mit, dass die Landesregierung sich unter anderem beim Bundesgesundheitsministerium dafür einsetze, dass zur Finanzierung der Betriebsausfälle Überbrückungshilfen an die betroffenen Häuser gezahlt werden.  Außerdem werden Maßnahmen zur Beseitigung der Flutschäden und Wiederherstellung der akutstationären Versorgung, die in der Förderzuständigkeit des Gesundheitsministeriums liegen, schnellstmöglich und unbürokratisch unterstützt. Neben weiteren anderen Maßnahmen sei auch die Vorabanmeldung der Schadenshöhe an den Bundesfonds sehr zeitnah erfolgt. Der enge und vertrauensvolle Austausch mit den betroffenen Institutionen und Häusern werde fortgesetzt, sagte Hoch. Ein Beispiel dafür sei die Runde zu den Auswirkungen der Hochwasserkatastrophe auf die betroffenen Krankenhäuser, an der Vertreter der Krankenhäuser, der Kostenträger, der Krankenhausgesellschaft Rheinland-Pfalz sowie des Gesundheitsministeriums teilnehmen.

Eine der Kliniken, die die stationäre Versorgung für Menschen aus dem Krisengebiet leistet, ist die Rhein-Mosel-Fachklinik in Andernach. Sie hat Patientinnen und Patienten der Dr. von Ehrenwall´schen Klinik übernommen und nimmt bis auf Weiteres auch die Pflichtversorgung im Fachgebiet der Psychiatrie und Psychotherapie der Erwachsenen für den Kreis Ahrweiler wahr. Gesundheitsminister Hoch informierte sich vor Ort unter anderem bei Dr. Thorsten Junkermann, stellvertretender Geschäftsführer des Landeskrankenhauses, über die laufende Unterstützung und die weiteren Perspektiven.

Akut ist die Belastung durch steigende Einweisungen in Folge des ausgeweiteten Versorgungsgebietes für die Rhein-Mosel-Fachklinik stark gestiegen. Da die Dr. von Ehrenwall´sche Klinik sehr stark beschädigt ist, bleibt derzeit noch unklar, wie lange die Unterstützungsleistung nötig ist. Hoch bedankte sich ausdrücklich bei allen Kräften für die schnelle und unkomplizierte Hilfe, die zum Wohle der Patientinnen und Patienten bereits erfolgt ist und weiter erfolgt. „Wir wissen, was vor Ort geleistet wird, und wir wissen, dass dies geschieht, obwohl auch hier viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter persönlich von der Flutkatastrophe betroffen sind“, sagt Hoch. „Wir werden diese Hilfe weiter nach Kräften unterstützen und uns für weitere Unterstützung und den schnellen Wiederaufbau der Versorgungsstrukturen stark machen.“