Studie: Unsicherheiten abbauen erhöht Akzeptanz für Impfungen

Das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit hat eine Studie zu den Corona-Ungeimpften in Rheinland-Pfalz in Auftrag gegeben. Im Zeitraum zwischen März und Mai 2022 wurden über 8.600 Menschgen befragt. Die Ergebnisse haben der Landesimpfkoordinator, Ministerialdirektor Daniel Stich, und die Leiterin der Studie, Jana Faus, vorgestellt.

„Wir sehen aktuell steigende Inzidenzen und eine steigende Anzahl an Menschen, die in den Krankenhäusern behandelt werden müssen. Hinzu kommen krankheitsbedingte Ausfälle beim Pflegepersonal. Unser Ziel bleibt, gerade vulnerable Gruppen zu schützen und eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern. Je höher die Impfquote, umso besser kommen wir durch die nächste Welle. Auch mit Blick auf den Herbst beschäftigen wir uns daher mit der Frage, wie wir bei Bedarf Menschen wieder dazu bewegen können, sich impfen zu lassen“, sagte Landesimpfkoordinator Daniel Stich. Um schwere Verläufe zu verhindern, sei das Impfen immer noch das Mittel der Wahl. Dennoch gäbe es Menschen, die auf eine Infektion ohne vorangegangene Impfung und die anschließende Behandlung durch entsprechende zugelassene Mittel setzten. „Das ist fahrlässig. Zwar lässt sich die Sterblichkeit durch eine angemessene und rechtzeitige Behandlung reduzieren. Die Gefahr schwerer Verläufe wird vor allem durch die Impfung gemindert“, so Stich.

Die Studie habe gezeigt, dass die Entscheidung gegen eine Corona-Schutzimpfung mehrheitlich durch fehlendes Vertrauen in Politik, Medien, Institutionen und Gesellschaft geleitet wird. Überrepräsentiert sind AFD-Wähler*innen, Nichtwähler*innen, Menschen mit osteuropäischem Migrationshintergrund und Bürger*innen mit niedrigem Einkommen, so Jana Faus, Geschäftsführerin der pollytix strategic research gmbh. „Ungeimpft-sein gilt als Zeichen eigener Widerstandsfähigkeit und ist damit identitätsstiftend. Die Wahrnehmung eigener Stärke führt zu einer Herabsetzung und einer bewussten Abgrenzung gegenüber geimpften Menschen. 87 Prozent der nicht aus medizinischen Gründen Ungeimpften werden von Verschwörungsnarrativen beeinflusst und sind daher überwiegend nicht für eine Impfkampagne erreichbar“, so Faus. Eine Minderheit von 13 Prozent, meist Eltern oder junge Frauen und Menschen aus städtischen Wohnorten seien noch offen, sich mit Hilfe von unabhängigen Langzeitstudien in verständlicher Sprache, individuellen Beratungsangeboten oder einer ergebnisoffenen, neutralen Impfkampagne von dem Impfschutz vor Langzeitfolgen einer Corona-Infektion überzeugen zu lassen.

Für den Herbst werde die Verfügbarkeit omikronangepasster Impfstoffe erwartet. Der Landesimpfkoordinator rechnet wie in den vorangegangenen Impfkampagnen auch mit einer hohen Impfbereitschaft in der Bevölkerung, aber auch mit Mythen, Legenden und Unwahrheiten, die aus dem Kreis der Verschwörungstheorie und der Impfgegner verbreitet werden: „Um noch gezielter für die Schutzimpfung zu werben, müssen wir verstehen, warum Menschen so vehement und abseits aller Fakten und Vernunft gegen das Impfen agieren. Mit der nun vorliegenden Studie erschließen sich uns mehr Klarheit über die Motivation aber auch neue Wege, um Menschen weiterhin für eine Impfung zu gewinnen. Wir werden akzeptieren müssen, dass es einen Teil von Menschen gibt, die wir nicht erreichen und noch weniger überzeugen können. Umso engagierter werden wir uns um jene bemühen, die sich von Unwahrheiten haben täuschen lassen“, sagte Landesimpfkoordinator Daniel Stich.

Zentrale Ergebnisse der Studie zu Corona-Ungeimpften in Rheinland-Pfalz

Komplettfassung der Studie zu Corona-Ungeimpften in Rheinland-Pfalz