Wissenschaftsminister Clemens Hoch: Hochschulen sind auf ukrainische Studierende vorbereitet – 8-Punkte-Plan für schnelle Unterstützung

Der Krieg in der Ukraine geht unvermindert weiter. Jeden Tag fliehen tausende Menschen aus den Kampfgebieten, darunter auch viele junge Menschen. Unmittelbar nach Beginn der Kampfhandlungen hat Rheinland-Pfalz Maßnahmen ergriffen, um ukrainische Studierende zu unterstützen. Auch neu ankommende Ukrainerinnen und Ukrainer sollen schnell in das Hochschulsystem integriert werden. Dazu wurde ein 8-Punkte-Plan entwickelt. „Wir haben uns auf die Fluchtsituation vorbereitet. Die Hochschulen öffnen sich für die Menschen und tun alles ihnen Mögliche, um Leid zu lindern und ein Fortkommen junger Menschen bei einer Hochschulausbildung zu fördern“, sagte Wissenschaftsminister Clemens Hoch. Die Hochschulrektorenkonferenz erwarte bundesweit bis zu 100.000 flüchtende ukrainische Studierende und Forschende.

„Die rheinland-pfälzischen Hochschulen haben sich an ihren Standorten gut vorbereitet. Zunächst geht es kurzfristig um die Vermittlung von Hilfe in besonderen Notlagen. Unser langfristiges Ziel ist es, diese jungen Menschen in unsere Hochschulen zu integrieren, auszubilden und kluge Kräfte für das Land zu gewinnen. Es freut mich zu sehen, mit welcher Solidarität die Hochschulfamilie im Land hier zusammensteht“, schildert Prof. Dr. Michael Jäckel, Vorsitzender der Landeshochschulpräsidentenkonferenz (LHPK), die von den Universitäten und Hochschulen des Landes getroffenen Maßnahmen.

Der 8-Punkte-Plan trägt in Anlehnung an ein Hochschulfinanzierungsprogramm den Titel „Wissen. Schafft. Frieden“. Folgende Maßnahmen sollen zur Unterstützung ukrainischer Studierender und Forschender an rheinland-pfälzischen Hochschulen ergriffen werden:

1. Hochschulzugangsberechtigung

Ressourcen sollen ausgebaut werden, um die fachlichen Voraussetzungen der Ankommenden - kurz: die Hochschulzugangsberechtigung – zu prüfen und festzustellen. Dies erfolgt anhand von Zeugnissen und Studiennachweisen, die im Übrigen in der Ukraine häufig digital vorliegen. Diese Aufgabe wird von der Hochschule Kaiserslautern und der Johannes Gutenberg-Universität Mainz federführend für das ganze Land übernommen, da hier die beiden Internationalen Studienkollegs angesiedelt sind. Die Internationalen Studienkollegs vermitteln im Regelfall ausländischen Personen, die sich für ein Universitäts- oder Fachhochschulstudium bewerben und deren im Ausland erworbene Hochschulreife einer deutschen nicht entspricht, die zusätzlich für ein erfolgreiches Studium erforderlichen fachlichen und sprachlichen Voraussetzungen. Das Wissenschaftsministerium wird hier jeder der beiden Hochschulen kurzfristig Mittel für eine personelle Verstärkung zur Verfügung stellen.

2. Sprachbarrieren abbauen

Die Vermittlung der deutschen Sprache bis zum Level C1 Hochschule wird unterstützt. Die Hochschulen können hier schon auf Strukturen zurückgreifen, wie z. B. Sprachlehrzentren. Wir werden Mittel aus unserem Etat bereitstellen, um im Bedarfsfall rasch weitere Sprachlehrkräfte zu finanzieren.

3. Sichere Unterkünfte

Weitere Angebote wie beispielsweise die Schaffung von Wohnraum in Form kurzfristig benötigter Gemeinschaftsunterbringungen in größeren Hallen der Hochschulen (insbesondere Sporthallen) werden vorbereitet. Hier stehen Hochschulen bereits mit den Landkreisen und kreisfreien Städten in Verbindung. Auch die Studierendenwerke stehen tatkräftig an der Seite der Akteure.

4. Traumabewältigung anstoßen

Die Johannes Gutenberg-Universität Mainz, die Universität Koblenz-Landau und die Universität Trier haben ein psychosoziales Unterstützungsangebot aufgebaut, das vor allem traumatisierten Geflüchteten hilft.

5. Über Patenschaften den Alltag gemeinsam meistern

Ankommen im Alltag geht besser, wenn man nicht allein ist. Durch Patenschaftsprogramme soll die Bewältigung der vielfältigen Alltagsherausforderungen (z.B. Bank, Apotheke, Behörden) erleichtert werden. Hier zeigen insbesondere die Studierenden eine enorme Hilfsbereitschaft, aber auch Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Hochschulen. Die Hochschulleitungen koordinieren die Aktivitäten vor Ort.

6. Angebote und Perspektiven aufzeigen

Mit einer Science Convention, die gegenwärtig von den Hochschulen organisiert wird, erhalten die Geflüchteten einen Überblick über Studienangebote, Beratungsmöglichkeiten, Zugangsvoraussetzung, Berufsperspektiven und sie lernen Ansprechpersonen in den Hochschulen kennen.

7. Unternehmenskontakte nutzen

Kooperationen und Kontakte der Hochschulen zu regionalen Unternehmen sollen genutzt werden, um Praktika oder Werksstudentenjobs zu vermitteln. Mittel- und langfristig dient dies auch dazu, viele kluge Köpfe für das Land zu gewinnen.

8. Fortführung Nothilfefonds

Sollten mehr Mittel als die bereits bereitgestellten 150.000 Euro benötigt werden, wird das Land den Nothilfefonds aufstocken. Ergänzt wird dies durch finanzielle Hilfen der Studierendenwerke für eingeschriebene Studierende in Form von Barbeihilfen und Freitischen.

Hintergrund: Über die Stipendienstiftung Rheinland-Pfalz stellt das Land Mittel in Höhe von 150.000 Euro zur Verfügung, um Studierende an rheinland-pfälzischen Universitäten und Hochschulen in finanziellen Notlagen zu unterstützen, die sich durch den Krieg in der Ukraine ergeben. Dabei sollen vor allem Studierende mit ukrainischer Staatsbürgerschaft unterstützt werden, aber in Einzelfällen auch andere internationale Studierende, die unmittelbar von den Auswirkungen des Krieges betroffen sind. Angesprochen sind Studierende, die bereits an rheinland-pfälzischen Universitäten und Hochschulen eingeschrieben sind, aber auch solche, die flüchten und ihr Studium hier fortsetzen möchten. Die finanzielle Unterstützung kann in Form von Kurzzeit-Stipendien und Einmalzahlungen gewährt werden. Sie kann ab sofort beantragt werden. Dabei können beispielsweise der Wegfall bisheriger anderweitiger Unterstützung oder zusätzlichen Kosten abgefangen sowie ungeplante Aufenthalte an unseren Hochschulen unterstützt werden. Die Mittel können unbürokratisch bei den jeweils zuständigen Hochschulen und Universitäten beantragt werden, an denen die Studierenden eingeschrieben sind oder die Einschreibung planen. Dazu sind knapp die Notsituation und die sich daraus ergebenden Unterstützungsbedarfe darzustellen. Außerdem sind für die Bewilligung die Immatrikulation, die Nationalität und der Aufenthaltsstatus nachzuweisen.

„Bislang ist die Nachfrage an den einzelnen Standorten noch überschaubar und gut organisierbar. Die Unterstützungsbereitschaft an den Hochschulen ist groß, die Studierenden organisieren und helfen mit. Dafür bin ich allen Akteurinnen und Akteuren sehr dankbar. Menschen unterstützen, die in Not geraten sind und über die Nachbarschaft hinaus zu helfen – das ist Rheinland-Pfalz“, so Clemens Hoch. Sollten die Nachfragen nach dem Nothilfefonds oder nach Unterstützungsleistungen im Hochschulbereich in den kommenden Tagen und Wochen zunehmen, so sieht der Minister die Hochschulen gut vorbereitet.

Ansprechpartner und detaillierte Informationen zum Vorgehen beim Nothilfe-Fonds können den entsprechenden Webseiten der Hochschulen und Universitäten des Landes entnommen werden, die sich hier finden: https://www.stipendienstiftung-rlp.de/hochschulen/

Fragen zu dem Programm können an die Geschäftsstelle der Stipendienstiftung gerichtet werden: https://www.stipendienstiftung-rlp.de/geschaeftsstelle/