Wissenschaftsminister Clemens Hoch: Offenen Zugang zu Lehr- und Lernmaterialien fördern und ausbauen

Der Virtuelle Campus Rheinland-Pfalz (VCRP) hat heute erstmals gemeinsam mit seinen derzeit fünf weiteren Kooperationspartnern aus Baden-Württemberg, Hamburg, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Sachsen ein neu gegründetes Kooperationsnetzwerk zur Förderung von offenen Bildungsmaterialien (KNOER) der Öffentlichkeit vorgestellt.

„Ich freue mich, dass mit dem neuen Netzwerk eine stärkere Vernetzung der Landesportale und ein engerer Austausch zwischen den Lehrenden der verschiedenen Bundesländer möglich wird. Je mehr Landeseinrichtungen sich beteiligen, desto mehr profitieren Lernende und Lehrende von der Vielfalt der Materialien. Offene Bildungsmaterialien sind ein wichtiger Innovationsmotor für neue Lern- und Lehrideen in der Hochschullehre“, so Wissenschaftsminister Clemens Hoch.

Offene Bildungsmaterialien sind Lehr- und Lernmaterialien, die ohne Sorge vor Urheberrechtsverletzungen mit anderen Lehrenden geteilt und weiterentwickelt werde können. Der VCRP wird gemeinsam mit dem Open Resources Campus NRW (OR-CA.NRW) den Vorsitz innerhalb des neuen Kooperationsnetzwerkes übernehmen und die gemeinsamen Aktivitäten der Landeseinrichtungen – etwa die technische Verknüpfung der Landesplattformen, die zentrale Bereitstellung von Informationen über offene Bildungsmaterialien oder die Identifikation von weiteren Synergiemöglichkeiten – koordinieren. Künftig sollen noch weitere Partner aus anderen Bundes-ländern hinzugewonnen werden und das Netzwerk möglichst bundesweit aufgestellt sein, sodass offene Bildungsmaterialien aus allen Bundesländern auf den jeweiligen Landesplattformen abgerufen werden können.

„Rheinland-Pfalz hat sich in der Arbeitsgruppe „Digitalisierung im Hochschulbereich“ der Kultusministerkonferenz gemeinsam mit den Landeseinrichtungen für digitale Lehre und den anderen Bundesländern bereits seit längerer Zeit für eine stärkere länderübergreifende Vernetzung im Bereich der offenen Bildungsmaterialien stark gemacht. Mit der Gründung des Kooperationsnetzwerkes konnte nun ein entscheidender Schritt in diesen Bemühungen gemacht und eine Zielsetzung aus der Landesstrategie für das Digitale Leben Rheinland-Pfalz erreicht werden“, betonte Minister Hoch.

„Wir schaffen mit KNOER eine verlässliche Struktur der länderübergreifenden Abstimmung im Bereich der offenen und digitalen Hochschulbildung mit einer systematischen Weiterentwicklungsperspektive“, sagte der Geschäftsführer des VCRP, Dr. Konrad Faber, bei der öffentlichen Bekanntmachung des neuen Netzwerkes.

Offene Bildungsmaterialien haben insbesondere in der aktuellen Corona-Pandemie nochmals an Bedeutung gewonnen. Sie konnten zu einer Verbesserung der Studiensituation während der Pandemie beigetragen, indem Studierende durch den freien und kostenlosen Zugang zu freien Materialien die in der Pandemie entstandenen Lernlücken füllen oder bestimmte Aspekte, die im Rahmen von Online-Lehre zu kurz kamen, nacharbeiten konnten.

Hintergrund:

Als offene Bildungsmaterialien (Englisch: Open Educational Resources, kurz OER) werden freie Lern- und Lehrmaterialien verstanden, die durch eine offene Lizenzierung zur Weiterverwendung, Bearbeitung und individuellen Anpassung freigegeben sind. Der Zugang zu solchen offenen Bildungsmaterialien ist kostenlos. Offene Bildungsmaterialien können beispielsweise vollständige Kurse, einzelne Kursmaterialien oder -aufgaben, Textbücher, Lehrbücher, Arbeitsblätter, Videos oder Podcasts umfassen, die frei zugänglich sind, um den allgemeinen Wissenserwerb und die Weiterentwicklung von Lern- und Lehrmaterialien zu fördern. Durch einen offenen Austausch und die kontinuierliche Weiterentwicklung von Lehrmaterialien fördern offene Bildungsmaterialien die Qualität und Transparenz der Hochschullehre, schaffen niedrigschwellige Zugänge zu Lehr- und Lernmedien, befruchten mit neuen Ideen die Hochschullehre und ermöglichen kostenlose Online-Lernangebote für alle Bildungsinteressierten.

Die Gründung des länderübergreifenden Netzwerkes KNOER, das die rheinland-pfälzische Landeseinrichtung für digitale Lehre, VCRP, entscheidend mitangestoßen hat, reiht sich ein in eine Vielzahl von Initiativen im Bereich OER, die in Rheinland-Pfalz bereits seit Längerem verfolgt werden. So hat der VCRP mit Unterstützung des Landes schon 2018 die Entwicklung einer OER-Plattform in Angriff genommen. Diese ermöglicht einen einfachen und niederschwelligen Austausch von Bildungsressourcen zwischen den rheinland-pfälzischen Hochschulen. Der VCRP unter-stützt Hochschullehrende außerdem durch Vernetzung, didaktische Beratung und Kompetenzaufbau dabei, Lehrmaterialien frei zugänglich zu machen. Zusätzlich erhält der VCRP Mittel in Höhe von einer Million Euro aus dem „Programm zu Stärkung der Digitalisierung an den Hochschulen“ im Corona-Sondervermögen, um die in der Corona-Pandemie entstandenen digitale Bildungsmaterialien als OER zu erschließen und öffentlich zugänglich zu machen. Aus diesen Mitteln legt der VCRP in enger Kooperation mit den Hochschulen ein OER-Programm auf, damit die in der Pandemie entwickelten digitalen Lehr- und Lernmaterialien der Hochschulen nicht verloren gehen, sondern im Sinne einer nachhaltigen Nutzung auch nach der Pandemie öffentlich zur Verfügung stehen.