Hochschulpakt III sichert weiter gute Studienbedingungen

Wissenschaftsministerin Vera Reiß und die Präsidenten der elf Hochschulen des Landes haben heute in Mainz Zielvereinbarungen zur Umsetzung der dritten Phase des Hochschulpaktes von Bund und Ländern unterzeichnet. „Durch die Haushaltsmittel des Landes und mit den zusätzlichen Geldern aus dem Hochschulpakt werden wir gute Rahmenbedingungen für ein erfolgreiches Studium in Rheinland-Pfalz auch weiterhin sicherstellen“, betonte Vera Reiß. Mit den Zielvereinbarungen gibt die Landesregierung den Universitäten Kaiserslautern, Koblenz-Landau, Mainz und Trier sowie der Fachhochschule Bingen und den Hochschulen Kaiserslautern, Koblenz, Ludwigshafen, Mainz, Trier und Worms Planungssicherheit für die kommenden acht Jahre: Die in den Zielvereinbarungen eingegangenen Verpflichtungen gelten bis 2023. Insgesamt werden den elf Hochschulen im Gegenzug rund 500 Millionen Euro zum Ausbau der Studienkapazitäten zur Verfügung gestellt.

„Die gemeinsamen Anstrengungen von Bund und Ländern im Rahmen des Hochschulpaktes sind richtig und wichtig. Die Studiennachfrage hat in den vergangenen Jahren deutlich zugenommen und wird sicherlich in den kommenden Jahren auf hohem Niveau bleiben“, sagte die Wissenschaftsministerin. Mit dem Hochschulpakt 2020 investieren Bund und Länder seit 2007 in den Ausbau von Studienmöglichkeiten, um auf die gestiegene Studiennachfrage zu reagieren. Für mehr als 22.000 Studieninteressierte pro Jahr sollen in den kommenden Jahren Studienplätze an den sieben staatlichen (Fach-)Hochschulen und vier Universitäten zur Verfügung gestellt werden. 

Der Vorsitzende der Landeshochschulpräsidentenkonferenz (LHPK) und Präsident der Universität Koblenz-Landau, Prof. Dr. Roman Heiligenthal, betonte: „Der Hochschulpakt hat sich in den vergangenen Jahren nicht nur als bedeutsames Instrument zur Verbesserung der finanziellen Ausstattung der Hochschulen erwiesen. Mit den Programmbudgets können Akzentsetzungen und strategische Weiterentwicklungen insbesondere in den Bereichen von Frauen- und Nachwuchsförderung erfolgen. Als Vorsitzender der Landeshochschulpräsidentenkonferenz bin ich sehr erfreut, dass die komplexen Verhandlungen mit den Universitäten und Hochschulen zu einem konstruktiven und einvernehmlichen Ergebnis geführt haben, das in der heutigen feierlichen Unterzeichnung der Zielvereinbarungen seinen Ausdruck findet.“

Für die (Fach-)Hochschulen begrüßte der stellvertretende Vorsitzende der LHPK, der Präsident der Hochschule Worms, Prof. Dr. Jens Hermsdorf, die Vereinbarungen zur Fortschreibung des Hochschulpakts und hielt fest: „Eine konsequente Fortschreibung der Doppelstrategie des Landes mit Blick auf die qualitativen und quantitativen Ziele der Hochschulen ermöglicht rund 14.000 zusätzlichen Studieninteressierten eine akademische Bildungslaufbahn an den (Fach-)Hochschulen zu beginnen. Die Hochschulen ermöglichen ihrerseits durch flankierende Maßnahmen eine kontinuierliche Verbesserung der Qualität des Studiums. Durch eine intensive Kooperation wollen wir dabei versuchen, erfolgreiche und innovative Ansätze an mehreren Hochschulen zugleich zu implementieren, um so die Studienbedingungen an mehreren Hochschulen gleichzeitig zu verbessern.“

Zusätzliche Studienplätze schaffen 

Vergleichsjahr für den Hochschulpakt insgesamt ist immer die Aufnahmekapazität des Jahres 2005. Die sieben Fachhochschulen des Landes planen, von 2016 bis 2020 knapp 14.000 Studienanfängerinnen und -anfänger mehr als im Studienjahr 2005 aufzunehmen. Die vier Universitäten rechnen mit der Aufnahme von 14.500 zusätzlichen Studienanfängerinnen und -anfängern. Insgesamt könnten in den Jahren 2016 bis 2020 damit rund 28.500 zusätzliche Studienplätze gegenüber dem Basisjahr 2005 geschaffen werden. Gegenüber den Planungen der zweiten Phase des Hochschulpakts 2011-2015 wäre dies eine Steigerung um 8.500 Studienplätze. Für die Aufnahme zusätzlicher Studienanfängerinnen und Studienanfänger erhalten die Hochschulen einen sogenannten Basispreis. Dafür werden in der anstehenden dritten Phase des Hochschulpakts rund 430 Millionen Euro zur Verfügung stehen, über die die Hochschulen eigenständig verfügen können. 

Qualität in der Lehre, Frauen und Durchlässigkeit gezielt fördern 

Darüber hinaus erhalten die Hochschulen 53,5 Millionen Euro im Rahmen einer Programmförderung mit drei Programmlinien:

  • Qualität in der Lehre
  • Mehr Teilhabe von Frauen in der Wissenschaft
  • Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen beruflicher und akademischer Bildung

„Neben dem quantitativen Ausbau unserer Hochschulen haben wir weiterhin die Qualität in Lehre und Forschung klar im Blick“, unterstrich Vera Reiß. Bereits in der zweiten Phase des Hochschulpakts von 2011 bis2015 gab es in Rheinland-Pfalz Programme zur Stärkung der Qualität in der Lehre und zur Frauenförderung. „Dass diese Ergänzung zum quantitativen Ausbau der Studienplätze auch Eingang in die Verwaltungsvereinbarung zwischen Bund und Ländern gefunden hat, bestätigt den rheinland-pfälzischen Weg“, so die Ministerin weiter. In der dritten Phase ist die Programmförderung bundesweit ein zentraler Baustein des Hochschulpakts geworden. Die Bund-Länder-Vereinbarung sieht vor, dass zehn Prozent der Mittel für qualitative Projekte eingesetzt werden müssen. 

Insgesamt werden über die Programmförderung in den kommenden fünf Jahren rund 90 Programme an den Hochschulen gefördert. Viele Hochschulen stellen sich der Herausforderung, den erfolgreichen Studienabschluss zu fördern, indem sie beispielsweise gezielte und frühzeitige Beratungsangebote ausbauen werden. Durch den Ausbau von Online-Lehre stellen sich die Hochschulen zudem den Anforderungen einer digitalen Gesellschaft. Auch hier werden zahlreiche Projekte an den Hochschulen gefördert. Im Bereich der Frauenförderung steht beispielsweise die Gewinnung von jungen Frauen für technische und naturwissenschaftliche Studiengängen im Fokus. Durch unterschiedliche Maßnahmen soll der Zugang erleichtert und der Studienerfolg gesichert werden. Darüber hinaus ist es Ziel des Hochschulpakts, mehr Frauen wissenschaftliche Karrieren zu ermöglichen. 

Die neu hinzugekommene Programmlinie zur Erhöhung der Durchlässigkeit zwischen akademischer und beruflicher Bildung verfolgt das Ziel, den Wechsel und Austausch zwischen beiden Ausbildungssystemen – akademische und berufliche Ausbildung – zu erleichtern. Neben dem Ausbau von dualen Studiengängen legen viele Hochschulen in ihren Programmen einen Schwerpunkt auf die Begleitung der Studierenden in der Studieneingangsphase von Studierenden, um der immer heterogener werdenden Studentenschaft gerecht zu werden, die unter anderem auf die zunehmende Öffnung beispielsweise für Studierende mit einer hohen beruflichen Vorqualifikation aber ohne Abitur zurückzuführen ist. Dies erfolgt beispielsweise durch gezielte Angebote zur Verbesserung der mathematischen Fähigkeiten, um in den Naturwissenschaften oder Ingenieurwissenschaften erfolgreich zu sein. 

Räumliche Kapazitäten ausbauen

Der dritte Baustein der Zielvereinbarung sind Miet- und Baumittel für den Ausbau der räumlichen Kapazitäten. Die Hochschulen werden über den Hochschulpakt zusätzliche Mittel im Umfang von 20 Millionen Euro für zusätzliche Anmietungen und Baumaßnahmen erhalten. „Diese Maßnahmen sind selbstverständlich ebenfalls zwingend erforderlich, um den Studierenden gute Studienbedingungen zu bieten“, betonte die Wissenschaftsministerin. 

Zum Beginn der voraussichtlich letzten Phase des Hochschulpakts hielt Vera Reiß fest, dass dieser Pakt für die Hochschullandschaft in Rheinland-Pfalz aber auch für das Land insgesamt ein großer Erfolg sei: „Die Hochschulen in Rheinland-Pfalz sind attraktiv – heute mehr denn je. Dies zeigt sich insbesondere an einem starken Zuwachs der Studierendenzahlen in den letzten Jahren verbunden mit qualitativ hochwertigen Angeboten. Ich freue mich, dass die Hochschulen des Landes sich dieser großen Herausforderung engagiert stellen. Die Hochschulen werden künftig so viele junge Menschen wie nie zuvor akademisch qualifizieren können. Angesichts der Diskussion um den Fachkräftebedarf ist dies ein positives Signal. Wir brauchen verstärkt hochqualifizierte junge Menschen – nicht nur solche mit einem Studienabschluss, sondern selbstverständlich auch solche mit einer fundierten beruflichen Ausbildung. Denn: Meister und Master schließen sich nicht aus, sondern ergänzen sich.“