| Krankenhausreform des Bundes

Gutachten belegt: Die Menschen in Rheinland-Pfalz sind medizinisch gut versorgt – Handlungsbedarfe für Umsetzung der Reform aufgezeigt – Modell „Regioklinik“ soll sektorenübergreifende Versorgung sichern

Gesundheitsminister Clemens Hoch hat bei einer Pressekonferenz das weitere Vorgehen bei der Umsetzung der Krankenhausreform des Bundes skizziert. Im Mittelpunkt der Ausführungen stand dabei ein Gutachten, dass das Ministerium für Wissenschaft und Gesundheit bereits 2024 bei „PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH“ in Berlin in Auftrag gegeben hatte.

„Die Krankenhausreform des Bundes zielt darauf ab, die medizinische Versorgung patientengerechter zu gestalten, Krankenhäuser finanziell zu stabilisieren, spezialisierte Behandlungen zu fördern und die flächendeckende gesundheitliche Versorgung, insbesondere in ländlichen Regionen, sicherzustellen. Wir brauchen die Krankenhausreform dringend, um verlässliche Rahmenbedingungen für die Kliniken und die Versorgungssicherheit für die Menschen im Land zu gewährleisten. Es geht dabei um die Frage: Wie können wir unser Versorgungssystem zukunftsfähig und bedarfsgerecht aufstellen, den demografischen Veränderungen gerecht werden und die Chancen der Digitalisierung und des medizinischen Fortschritts für alle sinnvoll nutzen? Wir werden unsere gesundheitliche Versorgungslandschaft den veränderten Rahmenbedingungen anpassen – dazu gehören der medizinische Fortschritt genauso wie der demografische Wandel und die enormen Chancen der Digitalisierung. Wir gestalten Daseinsvorsorge“, sagt Clemens Hoch. 

Mit dem nun vorliegenden Gutachten zur Krankenhauslandschaft liege eine umfassende Analyse der gegenwärtigen Versorgungsstrukturen und eine solide Grundlage für deren zukunftsfähige Weiterentwicklung vor, so der Minister. „Die Ergebnisse sind eindeutig: Wir verfügen über eine sehr gute, wohnortnahe Grund- und Notfallversorgung. Nahezu alle Rheinland-Pfälzerinnen und Rheinland-Pfälzer erreichen innerhalb von 30 Minuten ein Krankenhaus der Grundversorgung, viele deutlich schneller. Dabei soll und wird es bleiben. Das Gutachten zeigt aber auch, wo Veränderungen notwendig werden, weil mehr Leistungen ambulant angeboten werden können, weil mancher Eingriff ein höheres Maß an Spezialisierung für noch mehr Qualität braucht und weil ein zukunftsfähiges Gesundheitssystem unsere Versorgungslandschaft insgesamt und nicht nur die Krankenhäuser im Blick haben muss“, sagt Minister Hoch.

Für eine moderne Gesundheitsversorgung, die regional ganz nah wirke, sieht Gesundheitsminister Hoch eine wichtige Rolle bei der sogenannten Regioklinik. „Unsere Idee ist, dass eine Regioklinik die Anforderungen an einen sektorenübergreifenden Versorger (SÜV) erfüllt, der durch das KHVVG als neue Versorgungsform ermöglicht wird. Wir sehen in dieser neuen Versorgungsstruktur jedoch auch die Chance, eine umfassende, an die örtlichen Erfordernisse angepasste Gesundheitsversorgung zu gestalten. Die Regioklinik gewährleistet den richtigen Mix aus ambulanter und stationärer Versorgung gerade auch für den Alltagsnotfall sowie das bedarfsgerechte Zusammenwirken unterschiedlicher Gesundheitsberufe“, sagt der Minister. So seien in deutschen Notaufnahmen 2023 etwa 12,4 Millionen ambulante Notfälle behandelt worden. Bis zu 30 Prozent dieser Fälle hätten dabei nicht in einer voll ausgestatteten Notaufnahme behandelt werden müssen. Solche „Alltagsnotfälle“ könnten schnell gut und umfassend in den Regiokliniken behandelt werden. „Für alle Notfälle gilt: Die Schwere muss schnell und qualifiziert eingeschätzt werden, damit die richtige Rettungskette in Gang gesetzt werden kann. Eine solche Einschätzung nehmen Rettungsdienste vor. Bei Menschen, die selbst die Regioklinik aufsuchen, kann das Fachpersonal dort ebenfalls sehr schnell einschätzen, ob eine spezialisierte Versorgung notwendig ist oder die Behandlung vor Ort sinnvoll ist. So werden vor allem die 10 bis 15 Prozent wirklich schweren Fälle einer schnellen und medizinisch angemessenen Behandlung in spezialisierten Zentren zugeführt“, betont der Gesundheitsminister. 

Viele medizinische Behandlungen können heute ambulant oder auch mit einem kurzen Aufenthalt mit pflegerischer Betreuung vorgenommen werden und bräuchten kein klassisches Krankenhaus mehr. „Unsere Idee ist, dass das Modell Regioklinik die Krankenhäuser der Grundversorgung ergänzen und die stationäre und ambulante Versorgung wohnortnah kombinieren wird. Hier könnten auch neue Potenziale für eine bessere hausärztliche und kinderärztliche Versorgung entstehen“, so der Minister. Nach Vorstellung des Landes sollen in einer Regioklinik Ärzte verschiedener Fachrichtungen, spezialisierte Pflegekräfte und weitere Gesundheitsexperten wie Physiotherapeuten, Logopäden, Ergotherapeuten und Pflegeberater Hand in Hand arbeiten. Dies könne eine ganzheitliche und individuelle Betreuung der Patienten ermöglichen. Das Gutachten identifiziert in verschiedenen Leistungsbereichen wie z. B. der Geriatrie regionsspezifische Versorgungsbedarfe, die durch ein flexibles Konzept wie die Regioklinik adressiert werden können. In welchen Regionen eine Regioklinik sinnvoll etabliert werden kann, muss individuell geplant werden. Zudem fehle für die endgültige Definition und Umsetzung noch ein rechtlicher Rahmen des Bundes.

„Aus den eher abstrakten Datenanalysen werden keine wirklichkeitsfernen Vorschläge abgeleitet, sondern es können nun konkrete Gestaltungsmöglichkeiten entwickelt werden, die den regionalen Erfordernissen entsprechen“, betont der Minister. So berücksichtige das Papier auch den demografischen Wandel und damit die Tatsache, dass das Versorgungssystem so auszurichten ist, dass selbstbestimmtes Leben im Alter ganz lange gewährleistet bleibt. Patientenorientierte Versorgung kann dabei auch durch die fortschreitende Digitalisierung des medizinischen Bereichs gesichert werden. Dies werde sich auch in der Notfallversorgung niederschlagen. „Bei Notfällen zählt nicht nur Schnelligkeit, sondern auch die Versorgungsqualität. Daher ergänzen wir unser flächendeckendes und gestuftes System der Notaufnahmen und fördern als Land dazu komplexe, telemedizinisch unterstützte Rettungsketten, die Luft- und Bodenrettung kombinieren“, sagt Gesundheitsminister Clemens Hoch. Telemedizinische Verfahren ermöglichten schon heute, dass Spezialisten aus der Ferne bei der Diagnose unterstützen könnten.

„Wir haben das ganze Land im Blick und wollen weiterhin eine hochwertige Gesundheitsversorgung für alle Menschen in Rheinland-Pfalz garantieren – unabhängig davon, ob sie in der Stadt oder auf dem Land leben. Der medizinische Fortschritt eröffnet uns heute Möglichkeiten, die bis vor wenigen Jahren nicht denkbar waren. Hinzu kommt, dass durch digitale Technologien völlig neue Versorgungsformen möglich werden. Solche Fortschritte sollen allen Menschen in unserem Land zugutekommen. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass uns das im Land auch sehr gut gelingen wird“, so der Minister.

Das Gutachten ist abrufbar unter: www.gesundheit.rlp.de 

Mehr über „PD - Berater der öffentlichen Hand GmbH in Berlin“ erfahren Sie hier: https://www.pd-g.de/ 

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