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Hitler-Glocke: „Bewusster Umgang erforderlich“

Der Gemeinderat der Ortsgemeinde Essingen hatte sich in einer nichtöffentlichen Sitzung für eine Abhängung der sogenannten „Hitler-Glocke“ ausgesprochen und folgte damit einer Empfehlung des Kirchenrates der Evangelischen Landeskirche der Pfalz.

Kulturminister Konrad Wolf begrüßt, dass die Gemeinde Essingen zum Umgang mit der Glocke eine Entscheidung getroffen hat: „Es war wichtig, dass die Gemeinde sich klar positioniert. Ein bewusster Umgang mit dem unbequemen, historischen Erbe ist erforderlich. Die ideologische Vereinnahmung der Glocke mit ihrer Widmung macht eine normale Nutzung bedenklich. Daher ist die fachgerechte Aufarbeitung der Geschichte der Glocke und die Überführung ins Historische Museum der Pfalz eine von mehreren Möglichkeiten, unserer schwierigen Vergangenheit bewusst zu bleiben und konstruktiv mit ihr umzugehen. Ich würde mich freuen, wenn auch andere betroffene Gemeinden sich ihrer Vergangenheit entsprechend stellen würden.“

„Eine Auseinandersetzung im Museum oder eine gezielte, historische Aufarbeitung am Ort sind passende Lösungen, eine angemessene Debatte eingebettet in eine wissenschaftliche Aufarbeitung zu schaffen. Denn wir müssen uns mit unserer Geschichte kritisch auseinandersetzen. Hierzu gibt die historisch belastete Glocke Anlass“, so Wolf.

Ausdrücklich dankte der Kulturminister auch der Evangelischen Landeskirche und dem Historischen Museum der Pfalz: „Die Landeskirche hat mit ihrem Vorschlag, die Glocken ins Museum zu bringen, einen produktiven Debattenbeitrag geleistet. Ihre Bereitschaft, die Neuanschaffung von Glocken auch finanziell zu unterstützen, hat den Kirchengemeinden vor Ort Spielräume ermöglicht. Auch die Zusage des Historischen Museums der Pfalz macht den Weg frei, eine historisch angemessene Lösung zu finden. Ich danke beiden Institutionen für ihren kooperativen Umgang mit dem schwierigen Thema.“

Die Evangelische Landeskirche der Pfalz hatte im Herbst mitgeteilt, dass sie Kenntnis von insgesamt fünf Glocken mit entsprechenden Widmungen aus der Nazi-Zeit besitzt. Vier davon befinden sich auf rheinland-pfälzischem Boden, eine im Saarland.

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